20.12.2011
Kategorie: Projekte

"Weihnachten im Schuhkarton"


Die Reise nach Polen

oder

Jetzt wissen wir, dass es der Nikolaus wohl nicht immer so einfach hat

 

Mit fast 150 Päckchen und Paketen, voll gestopft bis unter das Dach, ja sogar die große Dachbox war kaum zu schließen, machen Peter Braun und ich uns am frühen Donnerstagnachmittag auf den Weg ins 1080 km entfernte Brzydowo. Der Verkehr auf der Autobahn hält sich in Grenzen, das Wetter ist gut und so kommen wir schnell voran: Osnabrück, Bad Oeynhausen, Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Frankfurt/Oder. Hier beginnt Polen. Der neuen, gerade eröffneten Autobahn Richtung Posen sei Dank kommen wir gut voran. Sie ist noch so neu, dass unser Navigationsgerät sie gar nicht kennt.

So brausen wir durch „unknown terrain“. Im Display lesen wir, dass es günstig wäre, spätestens in 120 km eine Tanksäule anzufahren. Nach 60 km Autobahnstrecke, ohne Hinweis auf einen Rastplatz mit Tankstelle, ohne einen Hinweis auf eine nächste Abfahrt reduziert Peter die Geschwindigkeit. Wir wollen den optimalen Dieselverbrauch nutzen, denn wer weiß, wann wird endlich tanken können. Doch dann, mit noch errechneten 30 km Restfahrstrecke, erreichen wir eine Ausfahrt, fahren über eine alte Landstraße in das nächste Dorf und können zu unserer Erleichterung voll tanken. Wieder zurück auf der Autobahn sind wir schnell in Posen. Ab hier geht es nur noch über Landstraßen Richtung West-Masuren. Dann plötzlich erschüttert ein metallharter Schlag den Wagen, und wir kommen nach wenigen Metern zum Stehen. Der rechte Vorderreifen ist in einem Schlagloch zerfetzt worden. Ein Reserverad ist bei diesem modernen Auto nicht an Bord, wohl aber Telefon und Internetverbindung. Es ist 20.00 Uhr. Wir erreichen über den deutschen ADAC einen polnischen Abschleppdienst. Die telefonische Durchsage unseres Standortes gestaltet sich schwierig, polnische Ortsnamen und Straßenbezeichnungen erweisen sich für unsere Zungen als nicht lautierbar. Doch schließlich, nach vielen Zwischenanrufen in kauderwelschem Deutsch-Polnisch-Englisch kann uns der Abschleppwagen auf die Ladefläche ziehen und rumpelt mit uns durch die Nacht. Irgendwo im Niemandsland erwartet uns tatsächlich ein freundlicher Mechaniker in seiner kleinen Werkstatt und versucht vergeblich, den Reifen zu reparieren.

Unverrichteter Dinge müssen wir weiter durch die Nacht. Gegen 23.00 Uhr erreichen wir ein Hotel in einer größeren, uns unbekannten Stadt, Wir sind in Gnieszno - der Wiege des polnischen Staates. Am nächsten Morgen steht das Auto mit einem wenig gebrauchten Reifen auf der Felge wieder vor unserem Hotel. Der freundliche Abschleppmann überreicht uns voller Stolz seine Visitenkarte, - man kann ja nie wissen! – und so sind wir wieder auf der Piste. 240 km Landstraße liegen vor uns, wir rechnen mit 4-5 Stunden Fahrt. Ein Besuch in der Schule Brzydowo kann nicht mehr gelingen. Es tut uns leid, denn die Schulkinder haben extra für uns einige deutsche Weihnachtslieder vorbereitet. Sie sind natürlich enttäuscht, ebenso wie Direktor Marek und sein Kollegium.

Gegen 15.30 h ist Kraplau in der frühen Dämmerung des (nahen) Ostens in Sicht. Pastor Jan Reichelt und seine Frau Wiktoria begrüßen uns herzlich. Wiktoria hat ein typisches, landsmännisches Gericht mit viel Gemüse aus dem eigenen Garten für uns vorbereitet. Es schmeckt vorzüglich. Nachdem alle Päckchen ins Haus getragen sind, wird es schon Zeit, nach Ostroda zu fahren, wo wir von unserer Kollegin aus Brzydowo, Wioletta, mit ihrer Familie zum Abendessen geladen sind. Die Freude des Wiedersehens ist groß, der Abend geht bei reichhaltigem und leckerem Buffet und interessanten deutsch-polnisch, polnisch-deutschen Gesprächen viel zu schnell vorbei. Der Tag war lang und so fallen wir hundemüde in unsere Gästebetten, die Wiktoria für uns bereitet hat.

Am frühen Samstag tippt Peter den „return-home“-Befehl ins Navi und ohne besondere Zwischenfälle erreichen wir spät abends Sythen. Gut 2200 km liegen hinter uns. Diese Reise war beschwerlich und doch: Viele Eindrücke und tolle Begegnungen mit den Menschen in unserem Nachbarland haben uns reicher gemacht. Ob wir wohl im nächsten Jahr wieder fahren werden?

Bestimmt, denn Wioletta hat uns u.a. diese Fotos geschickt, die zeigen, dass eure Weihnachtspäckchen so dankbar und freudig angenommen worden sind.

Vielen Dank auch von uns Paketfahrern!

Peter Braun                    Hans Hatebur


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